Hintergründe der Portfolioarbeit

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Diese Anleitung bietet Ihnen eine Orientierung bei der Erstellung Ihres persönlichen ePortfolios.
Sie gibt Ihnen einen Überblick über Ziele und Anforderungen der ePortfolioarbeit während Ihres Studiums. Zusätzlich erhalten Sie eine praktische Anleitung zur Ausgestaltung Ihres Entwicklungsportfolios und Nutzung des ePortfoliosystems Mahara.

Aus der Definition des ePortfolios ergeben sich bereits viele Anforderungen und Ziele der Arbeit, die Sie bei dem Umgang mit dem ePortfolio erwartet.

E-Portfolio ist eine digitale Sammlung von “mit Geschick gemachten Arbeiten“ (=lat. Artefakte) einer Person, die dadurch das Produkt (Lernergebnisse) und den Prozess (Lernpfad/Wachstum) ihrer Kompetenzentwicklung in einer bestimmten Zeitspanne und für bestimmte Zwecke dokumentieren und veranschaulichen möchte. Die betreffende Person hat die Auswahl der Artefakte selbstständig getroffen, und diese in Bezug auf das Lernziel selbst organisiert. Sie (Er) hat als Eigentümer(in) die komplette Kontrolle darüber, wer, wann und wie viel Information aus dem Portfolio einsehen darf“ (Hornung-Prähauser et al., 2007a, S. 14).

Dieses kurze, animierte Video zeigt übersichtlich, was ein ePortfolio ist. Hierbei gibt es auch noch kleine Beispiele, damit Sie sich besser vorstellen können, was ein ePortfolio sein kann.

 

Hintergründe des Portfolios


Der Portfoliobegriff hat bereits eine lange zurückreichende Tradition, die vor allem aus den kunstschaffenden Berufen stammt, dabei haben Künstlerinnen und Künstler ihre Werke in Form von Mappen und Blättern („folium“) mit sich getragen („portare“), um sie ihren Arbeitgebern zu präsentieren.

(E-)Portfolios sind in der hochschulischen Aus- und Fortbildung ein intensiv diskutierter Ansatz, um zum kompetenzorientierten Lehren und Lernen zu gelangen. Kompetenzorientierung wird seit dem Bologna-Prozess intensiv diskutiert und verlangt Lehrenden sowie Lernenden einen Perspektivwechsel ab, der häufig nicht einfach ist. Lehrende erhalten eine eher unterstützende Rolle, während Lernende mehr Verantwortung für den eigenen Lern- und Entwicklungsprozess übernehmen sollen.

Es wundert somit nicht, dass Portfolioarbeit aus dem Wunsch heraus geboren ist, die wissensorientierten Tests, die in den USA verbreitet waren, gegen entwicklungsorientierte Testverfahren einzutauschen.

Reflexion spielt bei Lehr-Lernprozessen eine zentrale Rolle und ist zudem eine Kernkompetenz, die Studierende des Lehramts erlangen sollen. Die Portfolioarbeit soll Ihnen das Erreichen dieses Zieles erleichtern.
Wann haben Sie sich das letzte Mal überlegt, wie, warum und was Sie gelernt haben? Wir machen uns im Alltag eher wenig Gedanken über unsere Lern- und Arbeitsprozesse. Die letzte gute Arbeit schaut man sich nicht wirklich an, weil die Motivation, die kleinen Fehler anzuschauen, sehr gering ist. Der Wille eine schlechte Arbeit anzuschauen, ist allerdings auch nicht hoch, da es „schmerzhaft“ und herausfordernd sein kann, vermeindliche „Fehlleistungen“ erneut zu betrachten.

Der Blick zurück, die Reflexion, ist jedoch ein zentrales Element für erfolgreiches Lernen und Arbeiten. Wenn ich weiß, warum ich beim Lernen gescheitert bin oder warum ich gut war, kann ich auch entsprechende Maßnahmen ergreifen, um beim nächsten Mal (noch) besser zu werden.

Die Reflexion und die Anleitung zur Reflexion ist somit ein zentrales Element des Lehralltags, das Sie als Lehrkraft beherrschen sollten.

Das Portfolio ist eine gute Möglichkeit, sich mit dem eigenen Lernen auseinanderzusetzen. Deshalb wird es Ihre Aufgabe sein, während Ihrer Lernprozesse ein Lernportfolio zu führen. Wichtig ist dabei, dass Sie regelmäßig dokumentieren und „Artefakte“ sammeln. Dabei wird Ihnen das Lerntagebuch, das Sie regelmäßig führen, eine große Unterstützung sein.

Ziele:


Portfolioarbeit wird im Kontext der Kompetenzorientierung und dem Erreichen übergeordneter Lernziele – wie Selbststeuerung und lebenslanges Lernen – intensiv diskutiert. Sie ermöglicht die Lernprozessdokumentation, Reflexion und Auseinandersetzung mit der eigenen Lernleistung. Portfolios lösen die klassische Rollenverteilung zwischen Lehrenden und Lernenden durch die Reduktion der fremdbestimmten Leistungsfeststellung und Einführung der selbstbestimmten Leistungsdarstellung auf, weil die Leistungsbeurteilung bei der ePortfolioarbeit die aktive Auswahl und Interpretation eigener Lernfortschritte einbezieht. Der Portfolioeinsatz hat zudem zum Ziel, die (Selbst-)Reflexivität der Lernenden zu erhöhen, um die Eigenverantwortung und die Selbststeuerung im Lernen durch das Setzen und Verfolgen eigener Lernziele zu erhöhen. Dabei gewinnt der Lernprozess mehr an Bedeutung. Es wird ermöglicht, eigene Lernergebnisse auszuwählen und systematisch zu reflektieren, um dadurch die Lern- und Methodenkompetenz zu erhöhen (Häcker, 2011, S. 176–179).

Die Ziele der ePortfolioarbeit sind damit:

  • Dokumentation des Lernprozesses
  • Sichtbarmachen des Kompetenzaufbaus
  • Förderung von selbstorganisiertem Lernen
  • Verantwortung für den eigenen Lernprozess erhöhen
  • Weiterentwicklung der Lehr-Lernkultur in Richtung Dialogkultur

Literatur:

Häcker, T. (2011). Portfolio revisited – über Grenzen und Möglichkeiten eines viel versprechenden Konzepts. In Kontrolle und Selbstkontrolle (S. 161–184). Wiesbaden: VS Verlag.

Hornung-Prähauser, V., Hilzensauer, W. und Schaffert, S. (2007). Didaktische, organisatorische und technologische Grundlagen von E-Portfolios und Analyse internationaler Beispiele und Erfahrungen mit E-Portfolio-Implementierungen an Hochschulen. Salzburg: Salzburg Research Forschungsgesellschaft.